Unterwegs: Parcour Bowhunting Chiemgau

Elite Impulse 34 auf dem Parcour

Das Wetter war nur sehr begrenzt vielversprechend. Eigentlich regnete es, aus Eimern irgendwie. Meine Ankündigung, dass ich nun Bogenschießen gehe wurde belächelt – schwach belächelt. Es war so dieser Blick von: „Geh schön spielen aber mache dich nicht so dreckig, hörst du?“

Die knappe halbe Stunde Fahrzeit verging wie im Flug und das Wetter wollte sich nicht bessern – nicht mal ein bisschen. Ziel des Ausflugs war der Parcour von Bowhunting Chiemgau, der von Kristina und Roman Heigenhauser betrieben wird. Auch wenn der Name vielversprechend das Chiemgau beinhaltet – so groß ist er dann noch nicht, dafür aber im schönen Ruhpolding gelegen. Erwartungsgemäß war bei dem Wetter kein Mensch zu sehen, ich zahlte meine Gebühr von 12 Euro (Wetterbonus?), auf das Vorzeigen der Spitzen wurde verzichtet, „Aaah, ein Compounder“ – damit war der Glaubwürdigkeit genüge getan. Besonderer Wert wird auf spitze Spitzen gelegt, verständlich – so halten die Ziele länger und mehr Leute haben was davon. Am Eingang steht für den Zweck des Spitzenschleifens extra eine Schleifmaschine – sympathisch!

Elite Impulse 34 Compound Bow
Elite Impulse 34 auf der Einschießwiese

Nach dem Betreten des Schießgeländes geht es unmittelbar hoch zum Einschießplatz. Einschießplatz ist untertrieben – es ist eine Einschießwiese mit Zielen auf allen Entfernungen. Von allen bisher besuchten Parcouren war dieser Einschießplatz bislang der Beste, den ich gesehen habe. Klar, die Eigentümer sind sehr erfolgreiche Compound Schützen und schätzen daher vermutlich auch ein wenig Platz, dennoch ist es auch für mich als reinen Hobby Schützen eine tolle Sache. Nach wenigen Schüssen stand fest, dass mein Visier nicht besonders seitenecht ist. Kurz nachjustiert, auf der 30 Meter Scheibe überprüft, alles passt – Seite ok, Höhe ok, ab in den eigentlich Parcour!

Die ersten Scheiben befinden sich auf der angrenzen Schafwiese mit lebenden Schafen. Diese waren mir gegenüber sehr freundlich und stellten sich nicht vor Ziele – sanft wackelten sie dahin und gaben die Scheiben frei. Hoppla, Obacht vor Tretminen!

Der ganze Kurs ist WAA konform gestellt – es geht sanft los. Keine extremen Schüsse, entspannte Schüsse, prima zum Reinkommen. Nach den Zielen geht es dann leicht steil nach oben in den Wald.

Widderziel im Wald
Widderziel im Wald

Die Schüsse werden nach und nach anspruchsvoller. Mal geht es nach oben, mal ist es ein Bergabschuss. Die Schusssituationen sind interessant gewählt, sinnvoll gestellt – die Tiere in tollem Zustand!

Was ich an diesem Parcour so toll fand, gleich zu Beginn – die Backstops hinter den Zielen sind sinnvoll gewählt. Es ist kein 100 Zentimeter Dämpfer in den Wald gepfeffert, es sind runde Formen, oft mit einem Tarnnetz abgehängt so dass sich das Ziel für den Schützen gut vor dem „Busch“ abhebt und man nicht das Gefühl hat direkt mit dem lieblosen Dämpfer konfrontiert zu werden. Toll, hat mir prima gefallen! Das Wetter hingegen eher wenig – ab hier war ich vollkommen durchweicht.

Ein sinnvoller Backstop - schaut aus wie ein Stein vom Abschusspunkt
Ein sinnvoller Backstop – schaut aus wie ein Stein vom Abschusspunkt

Egal – das Schießen konnte vieles wieder wettmachen, das Wetter war kein Thema mehr. Je weiter der Parcour nach hinten fortschritt, desto schwieriger wurden die Schüsse. Steile Bergabschüsse, verdeckte Schüsse – und als eines der Highlights zum Schluss: der Schuss über einen Weiher!

Ich war schon zu diesem Zeitpunkt wirklich begeistert, nass und kalt ging ich anschließend zum Bogengeschäft, um mich zu verabschieden und ein freundliches Danke für das Stellen des Parcours zu sagen. Einen Pfeil hat es zerlegt – das Beschaffen des Ersatzes wollte ich gleich vor Ort erledigen aber das ist nun eine vollkommen andere und eigene Story wert!

Fazit: Mir hat der Parcour sehr gut gefallen und ich freue mich auf die nächste Runde. Für Compound Schützen sind alle Ziele gut schießbar, es sind einfachere Schüsse dabei – aber auch Schüsse, die schwierig zu beurteilen sind. Mit dem Langbogen ist das sicherlich auch eine spaßige Runde, ich werde das ebensfalls mal ausprobieren wollen. Was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat waren die Entfernungen. Es wurden schwierige Situationen gestellen anstelle der typschen „Wir stellen den Wolf/Bison auf 60 Meter, DASS ist dann schwierig.“

Nach rund 2.5 Stunden war ich durch, bekam ein exzellente Beratung, dazu demnächst später mehr und lernte einen tollen Parcour kennen. Von meiner Seite ganz klar eine Empfehlung!

Unterwegs: Winterparcour des SBC Bad Goisern (14 Ziele)

Dieses Wochenende hatte die Chance den Winterparcour des SBC Bad Goisern zu begehen. Ich hatte den Obmann vorab kontaktiert und ihn über den Zustand des Parcours befragt: Die freundliche Antwort kam prompt: Mit gutem Schuhwerk tadelos zu gehen, lediglich ein paar wenige Stellen seien ein wenig matschig. Dazu sagte er noch: Das Wetter würde toll werden und wünschte mir viel Spaß.

Am Freitag als ich nach Bad Goisern fuhr regnete es aus Eimern…

In Bad Goisern angekommen zogen mich gleich alle Anwesenden mit dem Wetter auf. Ob das Bogenschwimmen heißen würde, ob ich eine Schwimmweste mitnehmen wolle und so weiter. Ich vertraute dem Obmann – schließlich ist er ein Goiserer und wenn er sagt, dass das Wetter schön wird, dann wird es auch schön. Ende!

Am Samstag stellte ich mir dann den Wecker auf 07.00 Uhr (in Worten sieben Uhr morgens) und fand die ersten zarten Sonnenstrahlen vor. Um knapp 8 Uhr morgens hatte ich mich im Schießbuch beim Vereinshaus eingetragen und mein Scheibengeld von 10 Euro in die Kassa daneben gesteckt. Noch ein paar Aufwärmübungen, Spannen meinen Langbogens, Schultern des Köchers und es ging los zur Scheibe 1.

NICHT DIE WIESE BETRETEN – ENTLANG DES WALDRANDS GEHEN!

Diesen Hinweis  findet man dort zahlreiche Male wieder. Die Wiese ist geschützt – man geht also eher auf kleinen Pfaden entlang des Waldrandes anstatt das man lümmelhaft quer drüberlatscht. Es stimmt ein wenig ein – man sieht so keine Ziele, es geht durch den Wald – dann kommen die Ziele. Nicht ungeschickt – wenn auch nicht ganz freiwillig. Ziel Nummer 1 ist ein Wolf aus naher Entfernung, keine besondere Herausforderung, gerade gut um warm zu werden. Ich hatte keine gesonderte Einschießbahn gesehen und schoss daher noch einige Pfeile auf die Feldscheibe daneben. So lernte ich meinen Fritzbogen Habicht C1 ein wenig besser kennen und fühlte mich schon nach wenigen Pfeilen recht sicher. Auf geht es zur Scheibe 2 – einem Hirsch auf rund 50 Meter Entfernung. Oha, schon ein wenig mehr. Schafft das mein Langbogen mit den schweren Holzpfeilen? Locker!

Der erste Pfeil saust auf den Hirsch zu – prallt auf dem Rücken ab, überschlägt sich und verabschiedet sich in die Büsche dahinter…

Nummer zwei geht ganz knapp drüber – Nummer drei geht mitten ins Kill und bleibt dort stecken! BAMM! Was für ein schöner Langbogen! Motiviert über den Treffer und mit dem entsprechenden Willen Pfeil Nummer eins zu finden, geht es zur Zielscheibe. 15 Minuten später – immer noch ist Nummer eins verschollen. Vermutlich schläft der Pfeil irgendwo unter der Schneedecke – da ist nichts zu wollen. Ganz abgeschrieben habe ich den Pfeil noch nicht, ich gehe weiter und werde später wiederkommen.

Das Ziel Nummer 4  ist spannend. Ein Bobcat sitzt seelenruhig schräg vor der Scheibe. Die Scheibe ist gleichzeitig der Backstop für den Pfeil – dahinter fließt seelenruhig ein Bach.

Zielscheibe Nummer 4 - ein Bobcat - vor dem Abgrund...
Zielscheibe Nummer 4 – ein Bobcat – vor dem Abgrund…

Nein so war es überhaupt nicht! Es ist ein reißender Gebirgsbach, der sich ein 5 Meter tiefes Bett in den massiven Fels gespült hat! Die Wassertropfen bilden in der Sonne einen Regenbogen – die Sonne blendet, der Bobcat springt von links nach rechts und versteckt sich.

Pfeil Nummer eins fliegt knapp vor dem Bobcat in den Sockel der Scheibe, stellt sich auf, schlägt gegen den Bobcat und der Holzpfeil zersplittert in zahlreiche Teile. Ich habe überhaupt keinen Bock mehr! Pfeil Nummer zwei schlägt direkt im Innenkill ein. Kein Pfeilnachgesuche im reißenden Bach. Geht doch. Ich sammele die Pfeilbrösel ein und werfe sie hinten in meinen Köcher.

Das übernächste Ziel ist ein Bär auf – 60 Meter? – es ist endlos weit und hangabwärts. Ich lege den ersten Pfeil an – spannen, lösen – Kill. Ende des Bären.

Scheibe Nummer 7 - der Bär. Das ist ein Schuß > 50 Meter
Scheibe Nummer 7 – der Bär. Das ist ein Schuß > 50 Meter

Weiter geht es entlang des Waldrandes und in den Wald hinein. Die Ziele bieten immer wieder verschiedene Schusssituationen.  Es geht mal bergauf, dann bergab – mal aus der Sonne in den Schatten, mal andersherum. Der Parcour führt einen dabei durch schönste Natur mit Bäumen, kleinen Bachläufen und Wiesen.  Wunderschön und definitiv mehr zum Genießen als nur zum Laufen von Ziel zu Ziel. Manchmal finde ich die Backstops nicht vollkommen perfekt, wenn beispielsweise ein Baum als Backstop herhalten muss. Unabhängig davon ob dieser Baum noch lebt oder nicht – ein Holzpfeil aus einem Baum herauszupopeln ist nicht schön. Man muss halt einfach treffen, dann bleibt einem das erspart. Dennoch kann man erkennen, dass manche dort mehrere Versuche gebraucht haben.

Gott sei Dank – bis dahin hatte ich schon durchaus ein gutes Gefühl für den Langbogen entwickelt und fast alle Schüsse nach dem Bobcat fanden ihr Ziel – oder den weichen Backstop. Überall wo es kritischer war, traf der erste Pfeil und schonte damit den Nachfolger. Damit das Auge immer wieder mal entspannen konnte ging es durch schönste Natur!

Nach den 14 Scheiben des Winterparcours frühstückte ich entspannt oben an der Vereinshütte und schaute dem Wolkenspiel an den Zinnen des Dachsteins zu. Atemberaubend schön! Ich ging anschließend noch mit Verstärkung zur Scheibe Nummer 2 – der Pfeil blieb jedoch verschollen und wird unter dem Schnee eines Tages wieder auftauchen. Ein abschließender Großer Brauner auf der Halleralm und der obligatorische Kaiserschmarrn rundeten den Parcour Besuch des SBC Bad Goisern ab.

Danach trübte das Wetter auch langsam ein….

Fazit

Der Winterparcour des SBC Bad Goisern ist mit 14 Zielen nicht sehr lang, die Natur hingegen macht einiges wett. In dem Scheibengeld inbegriffen sind 2 Begehungen so dass Wertungsschützen auch auf ihre 28 Scheiben kommen. Mir als freizeitorientierten Genußschützen mit schönem Langbogen war das jedoch vollkommen gleich wie lang der Kurs war. Ein tolles Stückchen Erde – dazu tolles Wetter und ein Bogenparcour was braucht man mehr?

Die Ziele des Parcours sind in einem tadellosen Zustand, die Pflöcke (weiß, blau, rot) sind vermutlich alle für die Feldscheiben gesteckt – die Tiere stehen manchmal ein wenig kürzer oder länger. Gedacht sind die Pflöcke für folgende Unterteilung:

weiß: Junioren, blau: alle ohne Visier, rot: alle mit Visier

Ich fand dazu die Entfernungen oft zu nah und habe daher alles von rot geschossen.

Kurzum – eine klare Empfehlung für den Winterparcour von mir.